Empörende Arroganz.

 

Für Konzeption und Koordination bzgl. der Umgestaltung der U-Bahnhöfe Weberwiese, Hansaplatz und Schillingstraße zu sog. »Themenbahnhöfen«, in denen die Bau- und Architekturgeschichte der beiden konkurrierenden Großprojekte des »doppelten Berlin« im Kalten Krieg – i. e. Stalinallee (1. und 2. Bauabschnitt) resp. Hansaviertel – erläutert und veranschaulicht werden sollen, hatte der stellvertretende Bezirksbürgermeister und -stadtrat Ephraim Gothe den ehemaligen Kultursenator und derzeitigen Vorstandsvorsitzenden der Herrmann-Henselmann-Stiftung, Dr. Thomas Flierl, beauftragt. Diese Beauftragung hat in der Öffentlichkeit – aufgrund der Berichterstattung u. a. in Tagesspiegel, Berliner Morgenpost und BZ sowie durch entsprechende Anfragen in der Bezirksverordnetenversammlung Mitte durch die Fraktionen der Grünen, CDU und AfD – für erhebliches Aufsehen gesorgt.

Unabhängig davon zeugt die Antwort des Bezirksstadtrats vom 23. Dezember 2018 auf die schriftliche Anfrage 0487/V, warum das Bezirksamt darauf verzichtet habe, die Anwohnerinitiativen einzubeziehen, von beträchtlicher Ignoranz, denn darin heißt es u. a., dass die »Einbeziehung von Anwohnerinitiativen […] fachlich nicht begründbar« gewesen sei und diese stattdessen nunmehr »über das Internet […], die Gebietszeitung und die Sprechstunden« informiert werden würden. Diese Aussage steht nicht nur in deutlichem Gegensatz zur Koalitionsvereinbarung, in der mehrfach die Förderung bürgerschaftlichen Engagements explizit gefordert wird, sondern ist als Affront angesichts der drei Initiativen Hansaviertel, Nachbarschaftsrat KMA II und STALINBAUTEN, zu deren fachlich hoch und höchst qualifizierten Mitgliedern sowohl Architekt_innen und Kunst- oder Architekturhistoriker_innen als auch Ingenieur_innen, Künstler_innen und Designer_innen zählen, deren Kenntnisse und Kompetenzen hier in herabwürdigender Weise in Abrede gestellt werden, ebenso empörend und arrogant wie unangemessen und nicht hinzunehmen.

Die unsererseits an Bezirksstadtrat Gothe gerichtete Bitte um Richtigstellung blieb bislang unbeantwortet …

Doppeltes Berlin
Flyer der Konferenz in Berlin 2017: »Moderne neu denken«
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Über Achim Bahr

Achim Bahr ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des Vereins STALINBAUTEN e.V.