Berliner Welterbeinitiative.

 

In der jüngsten Ausgabe LXIX (Stuttgart 2019, S. 186-189) der »Hefte des Deutschen Nationalkomitees« des ICOMOS (International Council on Monuments and Sites) sind die Empfehlungen des Wissenschaftlichen Beirats bzgl. der Berliner Welterbeinitiative nachzulesen. Darin wird »die konsequente Weiterentwicklung des Berliner Antrags unter präzisierter Schwerpunkt­setzung und Berücksichtigung der Empfehlungen des Internationalen Fachbeirats der Ständigen Konferenz Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) vom April 2014 […] ausdrücklich empfohlen« und besonders herausgestellt, »dass der Antrag aus einer zivilgesellschaftlichen Initiative hervorgegangen ist.«

Positiv vermerkt wird zudem, »dass das Welterbeprojekt die integrative Kooperation der Behörden der Stadtentwicklung einschließlich Grünplanung und Verkehrsplanung mit Kultur- und Denkmalbehörden auf lokaler (bezirklicher) und gesamtstädtischer Ebene verfolgt.«

Moderne neu denken
Moderne neu denken. Architektur und Städtebau des 20. Jahrhunderts – zwischen Avantgarde und Tradition.

Welterbeverträglichkeit

Zwar werde die Nominierung erst in 10 – 15 Jahren erfolgen können, doch solle bis dahin die »zur Verfügung stehende Zeit […] genutzt werden, um den Berliner Antrag zu quali­fizieren und ein Nominierungsdossier für eine förmliche Bewerbung auszuarbeiten.« Außerdem sei sicherzustellen, »dass die Aussichten eines Berliner Antrags nicht durch denkmal­schädliche Entwicklungen oder Beeinträchtigungen geschmälert werden.« Zur Gewährleistung von »Authentizität« und »Integrität« der Denkmalbereiche soll »ein koordiniertes städtebauliches Projektmanagement für die Er­haltung und Entwicklung der Gebiete und ihrer Pufferzonen installiert werden, das später im Sinne des erforderlichen Welterbemanagementplans weiterentwickelt werden kann«, sowie »[z]ur langfristigen Sicherung der Welterbequalität […] eine Art vorgezogener Welterbe­verträglichkeitsprüfung in den Auswahlgebieten« eingerichtet werden.

Am Ende der ausführlichen Empfehlungen wird explizit die Etablierung eines Expertenbeirats genannt, »dem als unabhängi­gem Begleitgremium der strategischen Planung übergeordnete Ziele und Vorhaben für die designierten Welterbeareale zur Beurteilung vorzulegen sind (beispielsweise Nachverdich­tungen, Aufstockungen, öffentliche Wege, soziale und kulturelle Infrastruktur etc.). Es ist sicherzustellen, dass den Empfehlungen des Expertenbeirats sehr hohes Gewicht beigemes­sen wird.« Darüber hinaus werden verstärkte »Maßnahmen zur Ein­bindung der Eigentümer, Bewohner bzw. Mieter und Pächter und zivilgesellschaftlicher Akteure« gefordert.

Es bleibt zu hoffen, dass sich dies nun auch endlich bis zu den Bezirksstadträten herumspricht …

Vorschlag für die deutsche Tentativliste

Die nun veröffentlichten Empfehlungen wurden von Michael Bräuer, Thomas Flierl, Bernhard Furrer und Jörg Haspel bereits 2017 formuliert. – In der selben Ausgabe der Hefte des Deutschen Nationalkomitees (ISBN 978-3-7828-4058-3) findet sich auch ein Beitrag des vormaligen Landeskonservators von Berlin und derzeitigen Vorsitzenden des Deutschen Nationalkomitees von ICOMOS e.V., Jörg Haspel, über Berliner Optionen bzgl. »Welterbestädte und urbane Welterbepotentiale«.

Der Vorschlag für die deutsche Tentativliste: Karl-Marx-Allee und »Interbau 1957« aus dem Jahr 2013 wurde u. a. in Ausgabe LVIII der Hefte publiziert und steht im Zeitschriftenportal der Universitätsbibliothek Heidelberg als pdf kostenlos zum download zur Verfügung.

(Hervorhebungen im Original.)
mm

Über Achim Bahr

Achim Bahr ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins STALINBAUTEN e.V.