Welterbeverträglichkeit gefährdet.

 

Unmut, Verärgerung und Kritik haben die jüngst bekannt gewordenen Äußerungen der Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, Regine Günther, zu den nachträglichen Eingriffen in die – eigentlich längst abgeschlossene – Planung der Umgestaltung des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee ausgelöst.

Karl-Marx-Allee II: Begrünung statt Parkplätzen? (Quelle: Senatsverwaltung).

Während für die Senatsverwaltung die »einstige DDR-Paradestraße« durch die nun vorgesehene Begrünung des Mittelstreifens – wie es sie im ersten Bauabschnitt der ehemaligen Stalinallee zwischen Strausberger Platz und Proskauer Straße seit jeher gibt – im zweiten Bauabschnitt durchaus an Qualität gewinne, befürchtet Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut eine Beeinträchtigung der »Echtheit und Unversehrtheit des möglichen Welterbes«, die die Welterbeverträglichkeit des Denkmalbereichs insgesamt gefährden kann.

Nach Protesten u. a. auch des Regierenden Bürgermeisters ist laut rbb24 nun ein »klärendes Gespräch« zwischen Regine Günther und Klaus LedererSenator für Kultur und Europa, gleich im ersten Quartal des Jahres 2020 anberaumt worden, bei dem neben »Aspekte[n] der Verkehrswende, des Klimaschutzes und der Klimafolgenanpassung […] auch Belange des Denkmalschutzes im Hinblick auf eine künftige Weltkulturerbe-Bewerbung Berlins bei der UNESCO zu berücksichtigen« seien.

Visualisierung des Grünstreifens (Quelle: Senatsverwaltung).
Karl-Marx-Allee II mit Parkplätzen vor der Umgestaltung (Quelle: Senatsverwaltung).

Nachtrag II

Am 11. März 2020 wurde die Einigung der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, der Senatsverwaltung für Kultur und Europa, des Landesdenkmalamts und des Bezirks Mitte auf einen ca. zehn Meter breiten begrünten Mittelstreifen mit – »aus Gründen des Denkmalschutzes« – drei befestigten Arealen – i. e. ohne Grünstreifen – am Alexanderplatz, am Strausberger Platz und direkt vor dem Kino International – bekannt gegeben:

Diese Neugestaltung der Karl-Marx-Allee bewahrt den besonderen Charakter der Magistrale und sorgt für einen Qualitätsgewinn der Straße als öffentlicher Ort. Aspekte der Verkehrssicherheit, der Klimafolgenanpassung, der Verbesserung des Mikroklimas sowie Belange des Denkmalschutzes im Hinblick auf eine künftige Welterbe-Bewerbung Berlins bei der UNESCO werden auf diese Weise integriert.

Die Umgestaltung des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee soll im Spätsommer 2020 beendet sein.

Grünstreifen statt Asphaltfläche? (Quelle: Berliner Morgenpost).

Nachtrag III

Auch zwei Monate nach dem sog. Bürgerdialog am 10. Februar 2020 im Kino International sind die Proteste gegen die Initiative zur Planänderung der Umgestaltung des zweiten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee durch Regine Günther nicht verstummt. Laut Dirk Jericho in der Berliner Woche am 16. April 2020 ruft der Architekt Georg Wasmuth nun erneut zum Widerstand auf, weil ein Grünstreifen an dieser Stelle »völlig irrsinnig«, »fachlich nicht zu verantworten« und »die Art und Weise der Umweltsenatorin ›skandalös‹« sei. Auslöser der neu aufgeflammten Kritik war ein Protestschreiben des Anwohners Ulrich Fahrich an den Regierenden Bürgermeister, die Verkehrssenatorin, den Kultursenator, den Landeskonservator sowie das Bezirksamt und weitere Adressaten.

mm

About Achim Bahr

Achim Bahr ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins STALINBAUTEN e.V.