Auf dem Weg zum Welterbe.

 

Das Land Berlin bereitet derzeit den Welterbevorschlag »Karl-Marx-Allee 1. und 2. Bauabschnitt / Interbau 1957« vor. Mit vielfältigen Beteiligungsformaten will das Landesdenkmalamt die (Fach-) Öffentlichkeit regelmäßig über das potentielle Welterbe und Hintergründe informieren und lädt deshalb zum Digitalen Dialog ein:

In der Digitalen Dialogreihe »Auf dem Weg zum Welterbe« werfen renommierte Expert*innen Schlaglichter auf ausgewählte Themen, die im Anschluss offen durch ein breites Publikum fachlich Interessierter diskutiert werden sollen. Diskutieren Sie mit!

Die Veranstaltungen finden ab März 2021 jeden zweiten Mittwoch im Monat ab 18:00 Uhr via webex statt – vorherige Anmeldung per email erforderlich!

Bisher wurden die folgenden Themen vorgestellt:

10. März 2021
Prof. Dr. Jörg Haspel:
Welterbe der Moderne – Welterbe Berlin. Bestand und Aussichten

14. April 2021
Prof. Dr. Simone Hain:
Vom Kollektivplan zum Hauptstadtwettbewerb. Drei städtebauliche Leitbilder im Konflikt

12. Mai 2021
Dr. Paul Sigel, Dr. Thomas Flierl, Dr. Sandra Wagner-Conzelmann:
Berlin Ost West Ost. Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne

9. Juni 2021
Klaus Lingenauber:
Die Freiräume im Hansaviertel und an der Karl-Marx-Allee

8. September 2021
Ben Kaden:
Ansichtskarten als Quellen zur Architekturgeschichte

19. Oktober 2021
Daniela Gurlt, Katrin Lesser, Dr. Michaela Nowotnick, Thorsten Klapsch:
Leben im (potentiellen) Welterbe – Entwicklungen und Erfahrungen

Dezember 2021
Dr. Paul Sigel, Dr. Thomas Flierl, Dr. Sandra Wagner-Conzelmann:
Berlin Ost West Ost. Vorstellung des eingereichten Welterbevorschlags

1. Welterbe der Moderne – Welterbe Berlin

Strausberger Platz; Bild: © Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin.

Prof. Dr. Jörg Haspel, Präsident von ICOMOS Deutschland und ehemaliger Berliner Landeskonservator, eröffnet die neue Reihe am 10. März 2021 mit einem allgemeinen Überblick zum ersten Tentativvorschlag das »Doppelte Berlin« von 2012: »Welterbe der Moderne – Welterbe Berlin. Bestand und Aussichten«, die Moderation übernimmt Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut.

2. Vom Kollektivplan zum Hauptstadtwettbewerb

Wohnzelle Friedrichshain, um 1946; Privatarchiv Selman Selmanagic, Landesdenkmalamt Berlin.

Am 14. April 2021 hält Prof. Dr. Simone Hain den Vortrag »Vom Kollektivplan zum Hauptstadtwettbewerb. Drei städtebauliche Leitbilder im Konflikt« über die ersten Jahre der Stadtentwicklung in Ostberlin; an den wiederholten Veränderungen des Gestaltungskonzepts werden »Reichtum« und »Beweglichkeit« der Ostberliner Nachkriegsmoderne deutlich:

Behandelt werden der funktionalistische »Kollektivplan« von 1946, die »Reise nach Moskau« 1950, die stadtbaukünstlerische Hauptachse von 1950-52, der traditionalistische Wiederaufbau und die Stalinallee sowie die konfliktträchtige Auflösung der historistischen Doktrin im Zuge der Industrialisierung der Architektur und der bereits nach 1956 einsetzenden Rückkehr zum Neuen Bauen.

3. Berlin Ost West Ost

Gropius-Haus im Hansaviertel; Bild: © Wolfgang Bittner, Landesdenkmalamt Berlin.

Am 12. Mai 2021 referieren Dr. Paul Sigel, Dr. Thomas Flierl und Dr. Sandra Wagner-Conzelmann unter dem Titel: »Berlin Ost West Ost. Architektur und Städtebau der Nachkriegsmoderne. Gemeinsamkeiten der drei Teilgebiete als Grundlage für einen OUV des potentiellen Welterbes« über die wesentlichen städtebaulichen und architektonischen Aspekte der drei potentiellen Welterbe-Gebiete:

Ein entscheidender Baustein im aktuellen Welterbeprozess ist eine fundierte Begründung des Outstanding Universal Value (Außergewöhnlichen Universellen Werts) nach den Kriterien der UNESCO.

4. Die Freiräume im Hansaviertel und an der Karl-Marx-Allee

Hansabücherei; Bild: © Anne Herdin, Landesdenkmalamt Berlin.

Am 9. Juni 2021 berichtet Klaus Lingenauber, der langjährige Gartendenkmalpfleger des Landesdenkmalamtes Berlin, über Gestaltung, Erhaltung und Restaurierung der Grünräume in den drei Gebieten: Welche Persönlichkeiten waren daran beteiligt, welchen Idealen folgte die Gestaltung und welche Leitmotive lassen sich noch heute erkennen?

Im Hansaviertel schufen national und international bedeutende Landschaftsarchitekten geradezu prototypische Beispiele von öffentlichen und privaten Freiräumen. […] In konsequenter Abkehr von der steinernen Stadt war der Wiederaufbau des Hansaviertels ein unbedingtes Bekenntnis zur Moderne.

5. Ansichtskarten als Quellen zur Architekturgeschichte

Stalinallee in Richtung Westen
Stalinallee in Richtung Westen – vor Errichtung des Fernsehturms; Postkarte: © BEBUG/Bild und Heimat.

Der Bibliothekswissenschaftler Ben Kaden thematisiert am 8. September 2021 Ansichtskarten als überraschend komplexe Annährung an gewesene und gegenwärtige Räume, anhand einer Auswahl hier insbesondere des ersten Bauabschnitts der Karl-Marx-Allee:

Im Fall der spezifischen Ansichtskartenfotografie der DDR und mit Zuschnitt auf die Stalinallee bzw. Karl-Marx-Allee folgte [die Abbildung] nicht nur bestimmten Darstellungskonventionen, sondern auch ideologisch geprägten Anforderungen an die Motivwahl und die Bildsprache. Gleichzeitig offenbart eine Auseinandersetzung mit den Karten eine bemerkenswerte Bandbreite in der fotografischen Umsetzung dieser Vorstellungen.

6. Leben im (potentiellen) Welterbe – Entwicklungen und Erfahrungen

Sechs Siedlungen der Berliner Moderne; Titel (Ausschnitt): © Landesdenkmalamt Berlin.

Anlässlich zweier neuer Publikationen – »Sechs Siedlungen der Berliner Moderne. Entwicklungen und Erfahrungen in der UNESCO-Welterbestätte« sowie »Mein Stalinbau. Eine Berliner Straße und die Geschichten ihrer Bewohner« – geben uns zunächst die beiden Autorinnen Daniela Gurlt, Mitarbeiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde Charlottenburg-Wilmersdorf, und die Garten- und Landschaftsarchitektin Katrin Lesser Einblicke in ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit den Berliner Siedlungen der Moderne.

Die Langzeitdokumentation von Thorsten Klapsch und Michaela Nowotnick porträtiert Bewohnerinnen und Bewohner der einstigen Stalin-, heutigen Karl-Marx- und Frankfurter Allee in ihren Wohnungen und bildet durch Architekturaufnahmen des ersten Wohnbaugroßprojekts der DDR deren Wohnumfeld ab; die fotografischen Einblicke werden durch sehr persönliche Texte über die jeweiligen Protagonisten ergänzt:

In der Publikation kommen die Akteure zu Wort, die den Welterbegedanken mit Leben füllen und die Siedlungen der Berliner Moderne mit hohem Einsatz pflegen, behutsam entwickeln und ihre Erfahrungen weitergeben.

Nach einem kurzen Input von Daniela Gurlt und Katrin Lesser sprechen Landeskonservator Dr. Christoph Rauhut und Sabine Ambrosius, Welterbe-Referentin im Landesdenkmalamt Berlin, mit ihren Gästen über das Leben im (potentiellen) Welterbe.

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About Achim Bahr

Der Künstler, Hochschullehrer, Historiker, Kurator und Autor Achim Bahr ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins STALINBAUTEN e.V.