Beseitigung statt Instandsetzung.

Von den 40 Informationstafeln auf insgesamt 36 Stelen entlang der Karl-Marx- und Frankfurter Allee fehlte bei unserer Zählung im Juni 2022 zunächst nur eine (Nr. 22), inzwischen sind es bereits sieben, die seit der Aussetzung von Reinigung und Pflege seitens des Bezirks durch Vadalismus zerstört wurden. Fast alle übrigen sind auf­grund von Überklebungen oder »Graffiti« unleserlich geworden.

Die verbliebenen Tafeln wurden von uns mit QR-Codes ausgestattet, um wenigstens die Informationen dieses Informationssystems weiterhin zugänglich zu halten; schon 2021 hatte unser Mitglied Florian Topf die analogen Tafeln in eine interaktive Karte integriert, um sie der zunehmenden Verwahrlosung zu entziehen.

Tafel 13, Karl-Marx-Allee 105: vorher – nachher; Fotos: © 2022 Iris Lier, 2026 Achim Bahr.

Nach mehreren Presseberichten über diese Aktion und Fragen an das Bezirksamt seitens des Bezirksverordneten Dr. Michael Heihsel (FDP), fasste die Bezirks­ver­ordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg am 25. Januar 2023 den Beschluss, »für die Informationsstelen der Karl-Marx-Allee eine Grundreinigung vorzu­nehmen« sowie die zerstörten und fehlenden Stelen »zeitnah« zu ersetzen (Druck­sache: DS/0461/VI); darin heißt es:

Grundsätzlich wird das Bezirksamt beauftragt, die Stelen der Karl-Marx-Allee jährlich auf Vandalismusschäden zu kontrollieren und bei Bedarf auszutauschen oder zu reinigen. Zur Vereinfachung der Instandsetzung bei Verunreinigungen können Schutzklebefolien auf die Stelen angebracht werden, sodass lediglich die Schutzklebefolien ausgetauscht werden müssen.

Dieser Beschluss wird jedoch nicht nur nicht umgesetzt, sondern stattdessen lässt das Bezirksamt zer­störte Stelen mit­samt Bodenanker spurlos beseitigen, wie Tafel 13, Karl-Marx-Allee 105, vgl. Abbildung oben. Eine entsprechende Frage seitens der Bezirksverordneten Marita Fabeck (CDU) wurde am 10. Februar 2026 (SA/574/VI) von Bezirksstadträtin Annika Gerold (Bündnis 90/Die Grünen) unter Hinweis auf die personellen und finanziellen Kapazitäten des Straßen- und Grünflächenamts beantwortet:

Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und den personellen Kapazitäten kann nur die Verkehrssicherung gewährleistet werden. Eine Kontrolle erfolgt monatlich auf Grundlage der Ausführungsvorschriften zu § 7 des Berliner Straßengesetzes – Überwachung des baulichen Zustandes der öffentlichen Straßen Berlins (AV Straßenüberwachung).

Wie aus der Beantwortung außerdem hervorgeht, ist dem Bezirksamt weder bekannt, wie viele Informationstafeln resp. -stelen es überhaupt gibt und welche davon intakt oder beschädigt sind oder vollständig fehlen, noch welche Kosten für den Ersatz einer Stele, für Reparatur oder Austausch einzelner Elemente oder für die jährliche Reinigung bzw. Wartung entstehen würden; weitere fünf Fragen der Bezirks­ver­ordneten konnten ebenfalls nicht beantwortet werden.

Da dieses Informationssystem von Besuchern und Touristen nach wie vor sehr gut angenommen wird, zugleich aber aufgrund seines gegenwärtigen Zustands in beschämendem Kontrast zu den Ausstellungen der U-Bahnstationen (Budget: 1 Mio. EUR) steht, treten wir weiterhin für seine Erhaltung und Instandsetzung ein. Im Hansaviertel gibt es ein ähnliches System, das besser gepflegt wird und bald sogar noch ergänzt werden soll, im 2. Bauabschnitt der Karl-Marx-Allee strebt man etwas Ver­gleich­bares an.

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About Achim Bahr

Der Künstler, Hochschullehrer, Historiker, Kurator und Autor Achim Bahr ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzender des gemeinnützigen Vereins STALINBAUTEN e.V.