Festumzug mit Exkrementen.
Von Kollateralschäden ist in der »Abschlusspressemitteilung KdK 2025« (–> pdf) natürlich keine Rede, zumal die Bilanz der Ordnungsmaßnahmen absolut moderat ausfiel und insgesamt nur 38 Verwarnungsgelder wegen »Wildpinkelns« erhoben wurden: demnach kann es doch gar nicht so schlimm gewesen sein.
Urinpfützen an und in allen Hauseingängen; © 8. Juni 2025 STALINBAUTEN e.V.
Dem Pressetext ist allerdings auch zu entnehmen, dass »[k]napp 1.1 Millionen Menschen« urinierend, defäkierend und vomierend »Zeichen für eine offene, friedliche, nachhaltige und freie Gesellschaft« gesetzt hätten – also sehr viel mehr als die erwarteten 750.000 Besucher, für die das sanitäre Angebot – »108 Standard-Toilettenkabinen, 29 barrierefreie […] und 8 VIP-Toiletten« – ja schon nicht annähernd ausreichte, wie die Schirmherrin auf Nachfrage einräumte (Drucksache: DS/1683/VI).
Karneval der Vandalen: »unerträgliche Sauf-Drogen-Piss-Veranstaltung«; Fotocollage: © RBB 24.
Finanzierungslücke
Wie aus einem Bericht der B. Z. vom 4. März 2026 hervorgeht, fehlt dem »KdK« derzeit 1/4 Million Euro – bei einem Gesamtbudget von 2,5 Millionen Euro aus Haushaltsmitteln des Senats (2025). Möglicherweise steht der Veranstaltung nun ein ähnliches Ende bevor wie einst dem gleichermaßen fäkalienbelasteten »Bierfestival«.
Spendenaufruf
Die Deckungslücke beträgt nun (9. April 2026) noch exakt 98.800 € – Geld, das benötigt wird, um für »[m]ehr Sicherheit & Awareness«, »Sauberkeit & Nachhaltigkeit«, »Schutz von Stadtraum & Kulturerbe« (!) sowie »[s]anitäre Anlagen für Alle« zu sorgen – also, um überhaupt die Grundvoraussetzungen einer solchen Großveranstaltung zu erfüllen:
Am 9. April fehlen angeblich noch 98.800 € zur Finanzierung der grundsätzlichen Voraussetzungen.
Wir gehen allerdings davon aus, dass der Umzug auch dann stattfinden wird, wenn die erforderliche Summe nicht zusammenkommt.
Ansprechpartner
Unter dieser Rubrik der »Infos für Anwohner*innen« werden eine email-Adresse genannt, an die man sich mit »spezielle[n] Anfragen« (vielleicht auch mit Einwänden, Bedenken und Beschwerden?) »direkt« wenden könne: anwohner@karneval.berlin, sowie eine »Bürgerhotline der Polizei«, die am Veranstaltungstag von 12:00 bis 22:00 Uhr zu erreichen sei: 030 . 4664501430
Angaben ohne Gewähr!
Wildpinkler
Nachdem das Wildpinkeln während des letzten sogenannten »Karnevalsumzugs« zum Teil unvorstellbare Ausmaße angenommen hat, geben wir auf dbzgl. Anfragen besorgter Anwohner den Rat, jedes Wildpinkeln polizeilich anzuzeigen, denn das kann gemäß eines aktuellen Berichts der Berliner Zeitung (14. Mai 2026) durchaus teuer werden – in Extremfällen drohe sogar eine Haftstrafe:
Wildpinkeln fällt hierzulande nämlich unter ›grob ungehörige Handlungen‹. Es […] zieht gemäß Ordnungswidrigkeitengesetz, Paragraf 118, eine Geldbuße nach sich.
Video: Anwohnende klagen über Wildpinkler; Foto: © 2025 RBB 24.
Die Höhe derselben wird allerdings entsprechend Bußgeldkatalog 2026 kommunal sehr unterschiedlich festgesetzt:
So liegt die Geldsanktion je nach Region zwischen 35 und 5.000 Euro. […] Wer jedoch Glück hat, dem droht lediglich ein Bußgeld für eine Ordnungswidrigkeit. Wie hoch das genau angesetzt ist, regelt jede Region selbstständig. Besonders strenge Städte verhängen dafür sogar bis zu 5.000 Euro Strafe. Einige Beispielstädte sind Erfurt, Hannover oder auch Stuttgart, wo für Wildpinkeln ein saftiges Bußgeld verlangt wird.
In Friedrichshain und insbesondere bei diesem erwünschten und noch dazu mit 1,4 Millionen Euro geförderten Event, das zudem unter der Schirmherrschaft von Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann steht, dürften die Bußgelder eher niedrig ausfallen, obwohl für Wohnbauten und Denkmale angeblich strengere Vorschriften gelten:
Wer in der Innenstadt gegen eine Häuserwand pinkelt, muss mit einer höheren, meist dreistelligen Strafe rechnen. Wer ein Denkmal oder eine Kirche als öffentliche Toilette benutzt, kann nur noch hoffen, dass der liebe Gott ein Auge zudrückt; die meisten Ordnungshüter kennen in dem Falle kein Pardon mehr.
Das freilich wäre fast zu schön, um wahr zu sein.
Für und Wider
Ein Vorbericht von Madlen Haarbach im Tagesspiegel (13. Mai 2026) hat ein großes Echo der Leserschaft ausgelöst. Nach der Frage der Autorin, ob dieser sogenannte »Karneval« über sein 30. Jubiläum hinaus noch »eine Zukunft« habe, und der Feststellung einer »der beiden Leiterinnen des multikulturellen Straßenfestes«, dass es angesichts gekürzter Fördermittel »so wie in diesem Jahr […] auf jeden Fall nicht weitergehen« könne, ist in den Kommentaren eine rege Diskussion entbrannt.
Wiederholt ist da von »Rummel und Kommerz« die Rede, der Umzug des letzten Jahres sei »öde« gewesen und die »ganze Veranstaltung« habe »Reiz und Flair der früheren Jahre […] längst verloren«, bestehe »fast nur noch aus Fressbuden und Getränkeständen« und sei darum sogar »eine Beleidigung für viele Kulturen«, weil sie »die kulturelle Vielfalt […] auf Fressbuden und Pseudokostümierung« reduziere.
Streitpunkt Urin
Ein weiterer Bericht von Sharone Treskow im Berliner Kurier (20. Mai 2026) geht auf die Bedenken bzgl. der sanitären Ausstattung ein:
Wer schon mal beim Karneval der Kulturen war, weiß: Toiletten sind hier Mangelware. […] Der Druck auf die Veranstalter ist also groß, eine saubere Lösung zu liefern.
Auch wenn die Anzahl der Toiletten im Vergleich zu letztem Jahr – wie behauptet – tatsächlich auf nunmehr 216 Standard-Toilettenkabinen, 58 barrierefreie und 16 VIP-Toiletten verdoppelt würde, s. o., wären es immer noch viel zu wenige, zumal der Bezirk »[b]ei einer erneuten Anmeldung am Standort Karl-Marx-Allee im Jahr 2026 […] die Verdreifachung der Toilettenzahl und zusätzliche Pissoirs beauflagen« wollte (vgl. rbb24, 19.06.2025).
»Beim Karneval der Kulturen«, fügt die Autorin »aus Erfahrung« hinzu, »verbringt man gut die Hälfte der Zeit mit der Suche nach einem Dixi-Klo – und mit dem Schlangestehen davor.«
Diesmal soll die Reinigung nach dem Umzug intensiviert werden und gleich im Anschluss eine Spültruppe alle Hauseingänge mit Wasserstrahl säubern, immerhin – immerhin auch zugleich das Eingeständnis, dass die Hausein- und -durchgänge vor dieser Zweckentfremdung gar nicht erst bewahrt werden.
Lerchen vs. Krähen
Dem Vorschlag, mit der Parade anstatt in das denkmalgeschützte Wohngebiet von Frankfurter und Karl-Marx-Allee auf das Tempelhofer Feld auszuweichen, wurde im letzten Jahr mit dem Argument begegnet, dass dort die geschützte Feldlerche brüte, deren Störung untersagt sei.
Wie steht es aber um die Nebelkrähen, die zur Zeit noch an der Allee brüten und seit 1987 gemäß § 7 Abs. 2 Ziff. 13 Buchst. b) bb) Bundesnaturschutzgesetz ebenfalls unter Schutz gestellt sind?
Pfingstmontag
Da wir diesmal nicht – wie noch im letzten Jahr – zur Teilnahme an gemeinsamen Streckenbegehungen eingeladen wurden, haben wir selbst eine Inspektion durchgeführt: Am Pfingstmontag ist die Allee zwar weitgehend gesäubert, die WC-Spülung offenbar jedoch nicht überall wirksam zum Einsatz gekommen – wie hier am westlichen und östlichen Eingang von C-Süd:
Urinlachen und andere Hinterlassenschaften, Laternenschäden; © 25. Mai 2026 STALINBAUTEN e.V.
Ebenso wurde die Reinigung an Block G vernachlässigt, wo nicht nur wieder die Hauseingänge, sondern auch die Kolonnaden sowie insbesondere die Kellerabgänge als Kloaken Verwendung fanden.
Natürlich wurden auch die Grünflächen und Mittelstreifen in Mitleidenschaft gezogen und mindestens zwei Laternen beschädigt – hier fehlen die Keramikkränze komplett.
Bilanz des Ordnungsamts
Laut Pressemitteilung des Bezirksamts vom 27. Mai 2026 wurden beim Umzug des sog. »Karnevals« diesmal »insgesamt 174 Ordnungswidrigkeiten […], unerlaubte Sondernutzung des öffentlichen Straßenlandes, Urinieren in der Öffentlichkeit, Verstöße gegen das Jugendschutzgesetz und Verstöße gegen das Ladenöffnungsgesetz festgestellt und geahndet. 90 Bußgelder wurden vor Ort bezahlt. Insgesamt wurden dadurch 4995 Euro eingenommen.« Außerdem seien weitere 84 nicht näher definierte Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht sowie »eine nicht unerhebliche Menge von illegalen Tabakprodukten festgestellt« worden.
Von mehreren Hausverwaltungen im Bereich G-Nord und -Süd zwischen Petersburger resp. Warschauer und Proskauer resp. Niederbarnimstraße wird zudem die Erstattung der Kosten für die teilweise aufwändige Reinigung der rückwärtigen Haus- und Kellereingänge sowie der Kolonnaden verlangt.

